Donaufestival: Von »Ausgʼsteckt is« zu »Angʼsteckt wird«
Guide durchs Donaufestival Krems 2017. Die in den Vorjahren international vortrefflich positionierte Plattform erfährt heuer eine angemessene Weiterführung.
Walter Pontis
20.04.2017
Guide durchs Donaufestival Krems 2017. Die in den Vorjahren international vortrefflich positionierte Plattform erfährt heuer eine angemessene Weiterführung.
20.04.2017
Wenn – und wie – ein Signature-Song von The Velvet Underground als Blaupause für den Transfer von Andy Warhols rauschhaften Film-Performance-Eskapaden »Exploding Plastic Inevitable« in die Gegenwart fungiert …
12.04.2017
Ein Menschen-Puzzle aus verlorenen Seelen und verschwundenen Leibern. Marcel Odenbachs kleinteilige und großartige Bildererkundungen zu Kolonialismus bzw. NS-Zeit in der Kunsthalle Wien. Noch bis 30. April.
06.04.2017
At a certain point in his thinking Marx needed the Paris Commune in order to make the leap and conceive communism in concrete terms as an effective alternative to capitalist society.
Wir müssen noch »Volk«, »Arbeiter«, »Abschaffung des Privateigentums« etc. sagen können, ohne in unseren eigenen Augen als altmodisch dazustehen.
04.04.2017
Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.
Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse eine andere Klasse stürzt.
25.03.2017
It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be.
Warren Buffet, Interview mit CNN (2005)
Das Subjekt historischer Erkenntnis ist die kämpfende, unterdrückte Klasse selbst. Bei Marx tritt sie als die letzte geknechtete, als die rächende Klasse auf, die das Werk der Befreiung im Namen von Generationen Geschlagener zu Ende führt. Dieses Bewußtsein, das für kurze Zeit im »Spartacus« noch einmal zur Geltung gekommen ist, war der Sozialdemokratie von jeher anstößig. Im Lauf von drei Jahrzehnten gelang es ihr, den Namen eines Blanqui fast auszulöschen, dessen Erzklang das vorige Jahrhundert erschüttert hat. Sie gefiel sich darin, der Arbeiterklasse die Rolle einer Erlöserin künftiger Generationen zuzuspielen. Sie durchschnitt ihr damit die Sehne der besten Kraft. Die Klasse verlernte in dieser Schule gleich sehr den Haß wie den Opferwillen. Denn beide nähren sich an dem Bild der geknechteten Vorfahren, nicht am Ideal der befreiten Enkel.
Walter Benjamin, »Ûber den Begriff der Geschichte. These XII« (1940)
19.03.2017
Mitunter scheitern Filmprojekte in sympathischer Weise. Die MacherInnen von »Der junge Karl Marx« haben sich etwas vorgenommen, was unter heutigen Bedingungen des Filmschaffens und der Filmrezeption wohl als unmöglich gelten darf. Ihr Versuch verdient deswegen Beachtung.
(Achtung: Am Ende gibt es ein Gewinnspiel)
11.03.2017
Die Eigentümer von bloßer Arbeitskraft, die Eigentümer von Kapital und die Grundeigentümer […] bilden die drei großen Klassen der modernen, auf der kapitalistischen Produktionsweise beruhenden Gesellschaft. In England ist unstreitig die moderne Gesellschaft, in ihrer ökonomischen Gliederung, am weitesten, klassischsten entwickelt. Dennoch tritt diese Klassengliederung selbst hier nicht rein hervor.
Karl Marx, »Das Kapital. Dritter Band« (1894)
11.03.2017
Amanda Piñas und Daniel Zimmermanns Erkundungen bei den Yanomamis am Rio Negro dienen als Inspirationsquelle für einen (bewegungs)kulturellen Widerstand gegen die Auswirkungen der neoliberalen Konkurrenzideologie.
11.03.2017
Nicht alles, was begraben liegt, ist auch tot. Am 14. März 2017 werden es 134 Jahren sein, seitdem Karl Marx für immer vom Spielfeld genommen wurde. Die Gedanken, Argumente und Einfälle (von Ideen zu reden ist bei einem konsequent materialistischen Autor etwas missverständlich) haben ihren Schöpfer aber offenbar überlebt. Marx’ geistiges Kapital trägt bis heute Zinsen. Die Liste derer, die sich auf ihn beziehen, ist unüberschaubar: Adorno, Foucault, Marcuse, Fromm, Deleuze, Derrida, Eribon, Žižek und so weiter. Eigentlich müsste somit die Relevanz von Marx kaum nachgewiesen werden, dennoch kann er ebenso in einer Liste der verfemten AutorInnen geführt werden. Im intellektuellen Mainstream zeigt sich, es werden gerne die größten geistigen Dehnungen und Spreizungen vollführt, um nur ja nicht eingestehen zu müssen, ein Gedankenzug sei in Gang gekommen durch den ollen Marx.
04.03.2017
Kabarettistinnen, die sich der Liedtexte Fritz Löhner-Bedas annehmen und auf die Melodien Hermann Leopoldis treffen. Die Entstehung des Buchenwaldliedes war das Thema eines Musiktheaterstückes im Goethe Gymnasium.
28.02.2017
Die Menschen machen ihre eigene Geschichte,
aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.Wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen.
Ein Gespenst geht um in Europa […].
Hamlet: Rest, rest, perturbed spirit! […]
The time is out of joint. […]
Ghost: I am thy father’s spirit.
27.02.2017
Ist es Eskapismus oder einfach nur gemein? America legt sich schlafen und träumt seinen leicht dämlichen dream weiter. In »La La Land« wird dieser Traum aber auch wirklich entzückend ausstaffiert. Der skug-Oscar-Report.
26.02.2017
Bevor im März auf skug.at die Karl-Marx-Wochen starten, publizieren wir Teil III des ambitionierten Projekts »Rettung linker Archive« von skug-Autor Alessandro Barberi. Die Quasi-Nuller-Ausgabe »Die symbolischen Ordnungen des Politischen« sowie Teil I »Der Werwolfsheißhunger des Kapitals und seine Geschichte« (skug #74) und Teil II »Wikileaks. Eine digitale Revolution der Verschwörung« (skug #86) sind bereits online, der dritte Teil erschien in skug #95, wurde in Erinnerung an Pierre Bordieu und Michel Foucault geschrieben und zeigt, wie die Blue Chips der Wissenschaft fungieren.
20.02.2017
Am 24. Februar 2017 findet im Rathaus der 23. Wiener Flüchtlingsball statt. Die Einnahmen dieser schlauen und schönen Charity-Veranstaltung gehen an das wunderbare Integrationshaus Wien. Ein Vorbericht mit aktueller Polemik.
06.02.2017
Warum die Nacht Angst machen kann und warum sie es trotzdem wert ist, in ihr wach zu bleiben. Die Lange Nacht des Kunsthistorischen Museums am 26. November 2016 wurde von einer grandiosen Rede des britischen Künstlers Edmund de Waal gekrönt. Ein Nachtrag.
06.01.2017
44 weibliche Kunstschaffende von vor 1938 werden derzeit im Jüdischen Museum Wien gezeigt. Wie ein roter Faden ziehen sich die Werke von Friedl Dicker-Brandeis durch die Ausstellung. Ein Exhibition-Rundgang mit der Künstlerin Nina Prader.
21.12.2016
Eine kurze Anmerkung zur österreichischen Bundespräsidentenwahl.
03.12.2016
Der britische Künstler Edmund de Waal zeigt eine ganz eigentümliche Art, mit den Themen Tod, Kunst und Natur umzugehen. Aus Naturobjekten erwächst Kunst, Verrätselungen liebt er. Selbst töpfert er obdachlose Töpfchen.
18.11.2016
Ob Donald Trump die Wahl gewinnt oder verliert, ist in einem bestimmten Sinn unerheblich, denn das Prinzip des Realitätsverlustes der »Post-Truth-Politics«, das sich mit ihm in neuer Deutlichkeit zeigte, wird bleiben und die Menschheit weiter plagen.
07.11.2016
Anmerkung zu dem am 17. Oktober gleichzeitig von ARD, ORF und SRG ausgestrahlten Fernsehfilm »Terror – Ihr Urteil«.
27.10.2016
700 Flüchtlinge pro Woche, 75 Prozent Aufstocker bei der Mindestsicherung – diese Begeisterung für Zahlen erinnert an den Versuch, alle Tage des Jahrhunderts in 402 Ringordner zu schreiben. Will Thomas Drozda, der ursprünglich aus der Nationalbank kommt, bei seiner Zahlenaffinität nicht lieber der nächste Finanzminister werden?
Bild: »Flüchtige Landschaften» Workshop SOHO 2014
04.10.2016
Maulwürfe, die mit der Schnauze Theremin spielen, mit den Krallen freudig aufs Schlagzeug hauen und einfach leben. Wie im echten Leben eben. Philippe Quesnes Stück »Die Nacht der Maulwürfe. (Welcome to the Caveland!)«, das auch zum Steirischen Herbst kommt, war in Ljubljana bereits zu sehen.
Foto: © Nada Žgank
03.09.2016
Die elfte Manifesta in Zürich unter dem Motto »What People Do For Money« ist gelungen: Die Europäische Biennale für Zeitgenössische Kunst versteht es, relevante Kunst und KünstlerInnen durch kluge Konzeption und Präsentation der Öffentlichkeit näherzubringen. Verantwortlich dafür ist das Manifesta-Team unter der Leitung von Direktorin Hedwig Fijen und dem deutschen Kurator und Künstler Christian Jankowski.
02.09.2016
Sich öffentliche Parkplätze aneignen, durch seltsame Interventionen mit Sperrholz zum Beispiel.
Foto: Ausstellungsansicht »Abfallwert steigend« © Thomas Meyer
18.08.2016
Der Krieg gegen den Terror oder die Anfechtung der österreichischen Bundespräsidentenwahl können auch begriffen werden als Auswüchse einer Sprachverhexung, die in der Dichtung Ingeborg Bachmanns aufgezeigt wurde. Dieser zweite Artikel, mit dem skug den 90. Geburtstag der großen Kärntner Dichterin ausgiebig feiert, widmet sich deswegen ihrer aktuellen Sprachkritik. Wider die Auflösung der Rechtssicherheit.
07.08.2016
München, die »Hauptstadt der Bewegung«. Mittendrin, im NS-Dokumentationszentrum, die Bilder des KZ-Ûberlebenden Adolf Frankl. Bunt wie jene Andy Warhols.
Bildlegende: Adolf Frankl »Vor der Vergasung« (© VG-Bild-Kunst, Bonn / bildrecht.at )
03.08.2016
Die Kärntner Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wäre am 25. Juni 90 Jahre alt geworden. Eine Würdigung anlässlich der Doku »Ähnlichkeiten mit Bachmann« (2008) von Angelika Kellhammer, der die am 20. Juni 2016 im Rahmen des Kulturmontags auf ORF 2 gezeigt wurde.
11.07.2016
Kurze Anmerkungen zum Widerstand gegen die Schließung des unabhängigen Kunstzentrums mo.ë in Wien und den damit eng verbundene Fragen der Kunst, des Besitzes und der Gentrifizierung.
29.06.2016
Hinter dem gelernten Grafiker und Reproduktionstechniker mit dem gutbürgerlich anmutenden Namen Patrik Huber – Patrik ohne C, »das hat meine Mutter zum Frühstück gegessen« – verbirgt sich ein Künstler, der neben dem eben genannten O-Ton im Gespräch im Café Westend auch Sätze wie diesen ausstößt: »Das wichtigste für mich ist der französische Stil, von dem ich aber nicht so genau weiß, was das ist – und auch ein gelber Paprika am Tisch.«
11.06.2016